Heinrich/Julie/Gertrude SOMMER
Heinrich Sommer wurde am 30.6.1893 in Welka/Mähren geboren. Er war der jüngere Bruder von Theodor Sommer und von Beruf Bankbeamter.

Heinrich Sommer und seine Gattin Julie, geb. Eichler, geb. 23.11.1900 in Jaruslau/Galizien, sowie deren Tochter Gertrude, geb. 24.6.1928, sind - wohl über Vermittlung von Theodor Sommer, der hier seit Mai 1911 wohnte - 1926 in die Große Stadtgutgasse 34 (Hoftrakt/vormals Tür 12) gezogen.

Heinrich Sommer war Angestellter der Österreichischen Creditanstalt – Wiener Bankverein und dort in der Depotbuchhaltung beschäftigt. Per 31.5.1938 wurde seine Kündigung mit Wirksamkeit 30.9.1938 ausgesprochen. Ab 13.8.1938 war er beurlaubt. (1)

Auch die Familie Sommer wurde Mitte Dezember 1938 aus ihrer Wohnung vertrieben und musste anschließend in der Schwarzingergasse 2 in einer Sammelwohnung leben.

Heinrich Sommer wurde im Oktober 1939 als Zwangsarbeiter nach Nisko/Polen deportiert, wo von den Nationalsozialisten der Aufbau eines „Judenreservates" geplant war. Die meisten Deportierten erreichten das Lager aber nicht, sondern wurden unter Abfeuerung von Schreckschüssen über die deutsch-sowjetische Demarkationslinie gejagt. Viele bemühten sich bei den sowjetischen Behörden um Rückkehrmöglichkeiten nach Wien, sie wurden aber von der stalinistischen Geheimpolizei in Zwangsarbeitslager verbracht. Aus diesen Lagern kehrten bis 1957 nur etwas mehr als 100 Männer nach Wien zurück, Heinrich Sommer war nicht dabei. (2)
Julie Sommer und Gertrude Sommer wurden von Wien aus am 27.5.1942 nach Maly Trostinec deportiert und beide am 1.6.1942 ermordet.



Anmerkungen:
(1)Angaben dazu in Gerald D. Feldmann (u.a.): Österreichische Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit. Bd. 2, München 2006, S. 256.
(2)Siehe dazu die Online-Information zur Ausstellung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes unter „Deportation der Juden“: http://www.doew.at/ausstellung/ (17.5.2008).

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