Unbekannte Schicksale?
Ob uns nicht doch einzelne Schicksale entgangen sind, muss – bei allem Bemühen - ungewiss bleiben.
Das Hauptproblem liegt in erster Linie darin, alle zu einem bestimmten Zeitpunkt (in unserem Fall um 1938) im Haus lebenden Personen zu erfassen. Dass dies eigentlich kaum möglich ist, dafür gibt es mehrere Gründe.
Die Karteiblätter im historischen Meldearchiv sind nicht nach Adressen, sondern nach Namen geordnet. Ein erster Einstieg in die Recherche muss daher über das von Lehmann herausgegebene „Wiener Adressbuch“ erfolgen, das ab 1925 bis 1942 einen Registerteil namens „Straßenverzeichnis“ enthalten hat. Darin waren die jeweiligen Hausnummern mit den Namen der HauptmieterInnen/EigentümerInnen (!) angeführt.
Über diese Namensangaben sind Anfragen beim historischen Meldearchiv möglich. Bei den HauptmieterInnen/EigentümerInnen mitgemeldet scheinen im Regelfall deren im gemeinsamen Haushalt lebende Gattinnen und Kinder bis 18 Jahre auf. Nicht jedoch im gemeinsamen Haushalt lebende Kinder über 18 Jahre, andere Verwandte, Dienstmädchen oder auch UntermieterInnen. Diese besaßen zwar einen eigenen Meldeschein, lassen sich aber nicht über Lehmanns Adressbuch auffinden, weil dort eben nur HauptmieterInnen und EigentümerInnen aufscheinen.
Auch etwa erst kurz vor 1938 im Haus eingezogene HauptmieterInnen könnten im „Lehmann“ (noch) nicht aufgeschienen und vor einer möglichen Eintragung schon wieder aus dem Haus vertrieben worden sein.
Weitere Erfassungsprobleme könnten aus der nicht in jedem Fall definitiv möglichen Feststellung einer Zugehörigkeit zur jüdischen Religionsgemeinschaft erwachsen sein. So eventuell bei Personen in „Mischehen“, die im Haus – zumindest für einige Zeit - weiter wohnen konnten.

Angesichts dieser verschiedenen „Unschärfen“ bleibt also auch jener zu gedenken, deren Schicksal wir möglicherweise nicht kennen.



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